(ëë êłííë€, ê·žëì ëë ê·žëì)
Der Spruch âDer Mensch denkt, Gott lenktâ begleitet mich schon lange und taucht immer dann in meinen Gedanken auf, wenn es mal wieder anders kommt, als ich mir gewĂŒnscht habe und ich mich frage: was ist jetzt schon wieder los? Besonders in GesprĂ€chen mit der eigenen Partnerin, Schwester oder Bruder oder einer/m langjĂ€hrigen Freund:in, wenn das GesprĂ€ch gefĂŒhlt âentgleitetâ oder ich am Ende dasitze, ein komisches GefĂŒhl im Bauch habe und mich frage: Was ging da eigentlich gradâ ab?
Heute frĂŒh beim FrĂŒhstĂŒck passiert es wieder: wir sitzen beisammen und das Handy meiner Freundin macht auf sich aufmerksam indem es eine nach der anderen ankommenden Nachricht kurz auf dem Display anzeigt â still, aber doch irgendwie störend. Das Zentrum ist weg ⊠Handy umdrehen, dann sieht es niemand mehr.
Doch in mir laufen lĂ€ngst die Grauen Zellen auf Hochtouren: wie geht das nochmal, dass das Handy diese Nachrichten bekommt, ohne dass der Akku in 2 Std. leer gesaugt ist? âPollingâ (das aktive Nachfragen ob da eine Nachricht ist) ist out, âpush notificationâ ist in, sagt der Informatiker in mir. Und: âDer Router hat einen Port fĂŒr das Handy geöffnet, auf den der Server diese IP-Pakete senden kann. So geht das! Juhu, ich weiĂ es noch, ich blicke noch durch, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen ⊠grins!!!â
Was ist denn nur los mit mir? Brauche ich das jetzt?
Was war eigentlich gerade noch das Thema am FrĂŒhstĂŒckstisch? WorĂŒber hatten wir eben gesprochen? Egal, ich komme jetzt nicht mehr aus dieser Nummer. Also Flucht nach vorne und thematisieren âŠ
âDu, ich hab mich gerade gefragt, wie das eigentlich noch funktioniert mit den Nachrichten ohne dass der Akku schnell leer gesaugt wird. Dazu hab ich eine Idee und sogar eine Geschichte, warum ich diese Idee habe und was mir diese Geschichte nutzt âŠâ höre ich mich gleich sagen und mein GegenĂŒber hört (noch) geduldig zu. SpĂ€testens jetzt ist mein Gremlin zur Hochform aufgelaufen und ĂŒbernimmt den Raum. Ich denke und mein Gremlin lenkt. Doch mein Gremlin ist nicht Gott!!
So rede ich nun in den (unbewusst) entstandenen (und unbewusst in Anspruch genommenen) Raum hinein und komme mir dabei auch noch klug vor, denn ich reflektiere, benenne meine Geschichte und springe auch mal auf die Meta-Ebene, indem ich noch darĂŒber rede, was es mir nutzt, all dies zu erzĂ€hlen. Wow, bin ich toll!
âSTOPP!â höre ich da plötzlich. âSo geht das nicht! Ich muss mich die ganze Zeit bemĂŒhen nicht an einen Deiner ganzen Haken zu gehen. Das will ich nicht mehr!â
Huch, denke ich und werde jÀh aus meiner ErzÀhl-Laune gerissen. Langsam wird mir bewusst, was hier seit gut 10 Minuten abgeht:
Ich habe das Zusammensitzen dazu benutzt, meine Lieblingsthemen âBin ich noch zu etwas nutze und wie definiere ich Altwerden?â zu beackern und mit einem lĂ€ngeren Monolog darĂŒber den entstandenen GesprĂ€chsraum beim FrĂŒhstĂŒck komplett eingenommen. Und ich hab mich dabei auch noch gut gefĂŒhlt, weil ich ja so âreflektiertâ bin. 100% Gremlin â merke ich!
Einen entstandenen Raum bewusst nutzen bzw. bewusst mit jemand zusammen Raum zu halten ist seit lĂ€ngerem ein Thema fĂŒr mich, denn das habe ich frĂŒher nie gekonnt, ja nicht einmal fĂŒr nötig gehalten. Es war viel einfacher (und auch schöner) jemanden anzurufen und von mir zu erzĂ€hlen, oder den anderen auszufragen, um dann gleich wieder auf den Zug mit aufzuspringen und zu sagen: âkennâ ich, geht mir auch so, das hab ich vor langem auch erlebtâ und meine Erlebnisse in aller Ruhe auszubreiten. Dabei kann ich auch schnell ins Jammern kommen und merke es erst, wenn es mir selbst auf den Keks geht, denn gemeinsam Jammern macht nur bis zu einem gewissen Punkt SpaĂ. Dann sage ich SĂ€tze wie âich will ja nicht nicht jammernâ oder âich beschwere mich ja nicht, aber âŠâ und bin doch schon mitten drin. Dabei fĂŒhle ich mich oft mit dem anderen âverbundenâ, denn jeder bestĂ€tigt die Ansichten und das Gejammer des Anderen. Doch diese Verbundenheit hĂ€lt nicht lange an, denn nach solchen Telefonaten ist es oft so, dass ich mir leer oder ausgelaugt vorkomme und auch manchmal denke, âwas hab ich da nur wieder alles erzĂ€hlt?!?â Was bleibt, ist ein GefĂŒhl der Einsamkeit und SchwĂ€che und wirkliche Verbindung entsteht dann eigentlich nicht.
Vor vielen Jahren hat meine Schwester mir dann mal ein STOPP gesetzt indem sie sagte: âIch habe keine Zeit mehr zum Plaudern!â Und dann viel noch ein Satz, der einschlug wie eine Bombe:
âJetzt kommâ endlich aus Deiner Opferrolle raus. Wir alle haben unser PĂ€ckchen zu tragen!â Wumm â das saĂ und tut es bis heute!
Was mich dann noch lange beschĂ€ftigte, war die Konsequenz mit der sie ihr Stopp durchzog: es kamen kaum noch Anrufe und sie schien immer kurz angebunden. Es dauerte dann recht lange, bis ich verstand, was ihre eigentliche Botschaft hinter dem Stopp war: dass sie sich als FuĂabtreter benutzt fĂŒhlte und nicht mehr bereit war, mein unbewusstes Reden zu ertragen. Es zog ihr Energie und ich labte mich daran, bzw. mein Gremlin nĂ€hrte sich davon. Eine wirkliche Verbindung entstand jedoch nicht und nach den GesprĂ€chen entstand wieder dieses unbehagliche GefĂŒhl der Einsamkeit und Trennung.
Was ich konkret Àndern sollte in den GesprÀchen war mir jedoch nicht klar. Entweder konnte es mir meine Schwester nicht sagen oder es landete nicht bei mir, wenn sie denn artikulieren konnte. Mir kam jedoch die Idee, dass ich
bewusster nach einem Raum zum Reden fragen könnte. Doch dazu war es zu spÀt, das funktionierte so nicht mehr.
Inzwischen ist mir einiges klarer geworden:
Zum Dialog gehören zwei, sonst heiĂt es Monolog!
Doch wie fĂŒhre ich einen Dialog? Wie schaffe ich wirkliche Verbindung und verhindere, dass nach dem GesprĂ€ch dieses GefĂŒhl der Leere entsteht?
Wie kann ich den Raum nicht nur in Anspruch nehmen, der mir geboten wird, sondern gemeinsam einen Raum halten, dem anderen Platz zum Sprechen geben und auch die Energie im Raum spĂŒren?
Wie schaffe ich es, authentisch zu sein, nicht ĂŒberheblich oder gar belehrend zu wirken und auch mich selbst nicht klein zu machen?
Vielleicht geht das, indem ich von mir rede statt Allgemeinaussagen zu machen, mich verletzlich zeige, indem ich meine GefĂŒhle benenne und auch die GefĂŒhle des GegenĂŒbers stehen lasse ohne mich klein zu machen? Vielleicht hilft es, wenn ich beobachte, wieviel Raum ich âkonsumiereâ und wo ich Raum halte und gestalte, Indem ich die Energie im Raum wahrnehme, aufmerksam bin dafĂŒr, wie viel Redeanteil ich habe und keine langen VortrĂ€ge halte oder Geschichten von anderen erzĂ€hle?
Vielleicht kann ich mir von Beginn des GesprĂ€chs â oder besser noch, vor dem Beginn eines GesprĂ€chs â bewusst machen, was sind meine eigenen Absichten? Und sehe ich die Absichten meines GegenĂŒbers und lasse ich sie gelten, indem ich bei Unklarheiten nachfrage und nicht alles nach meinem GutdĂŒnken interpretiere?
Vielleicht kann ich alte Muster fallen lassen, GlaubenssĂ€tze ĂŒber Bord werfen und mich nicht mehr einfach nur treiben lassen oder von den alten Mustern und Emotionen lenken, sondern mich von diesen befreien?
All dies war damals neu fĂŒr mich und es brauchte diesen Knall, diesen Schuss vor den Bug, dass ich aufwachte und mir bewusst wurde, was es wirklich bedeutet verantwortlich zu kommunizieren und in Verbindung zu gehen. Und ich ĂŒbe mich noch heute darin.
Die Worte âunbewusstâ und âbewusstâ tauchen in diesem Text sehr oft auf und das mit Absicht, denn Bewusstwerdung und Bewusstheit sind fĂŒr mich die SchlĂŒsselworte in diesem Thema. Doch was hat das nun alles mit der Ăberschrift âIch plane, also bin ichâ zu tun? Kann ich alles im Voraus bedenken, mir bewusst machen, also âplanenâ und so Planung und Bewusstmachung oder Bewusstheit gleichsetzen? Oder gibt es hier einen Unterschied?
Nicht alles ist planbar und oft wird mir erst beim Reden oder Tun bewusst, was da vielleicht nicht alles so lĂ€uft wie âichâ es beabsichtigt habe. Und manchmal ist dieses âichâ auch kein verantwortungsvolles Erwachsenen-Ich, sondern ein unverantwortliches Eltern- oder Kind-Ich, das seine (meine?) BedĂŒrfnisse befriedigt wissen will. Und: wer lenkt denn die Geschehnisse in dem gemeinsam gehaltenen Raum? WeiĂ ich denn zuvor, was hinterher entstehen wird, so wie eine Lehrkraft in der Unterrichtsplanung die (Lern-)Ziele welche die Klasse in der Schulstunde erarbeiten soll festlegt und dementsprechend das Geschehen lenkt?
Ich erinnere mich an eine Doppelstunde in der Schule (und das ist nun schon mind. 40 Jahre her), in der die Klasse ein Thema diskutierte und ich mich nur zu Beginn der Stunde aktiv beteiligt habe. Dann saĂ ich da, beobachtete, hörte zu und machte mir so meine eigenen Gedanken. Nach ca. einer halben Stunde kam mir die Idee, dass es vielleicht um etwas anderes ging, als momentan diskutiert wurde und worauf es eigentlich hinauslief. Ich meldete mich stĂŒrmisch, konnte es kaum erwarten aufgerufen zu werden und sagte mit Stolz, was mir aufgegangen war. Die Antwort war zwar goldrichtig, trotzdem bekam ich vom Lehrer zu hören: âDas ist zwar richtig, aber da wollte ich mit der Klasse erst am Ende der nĂ€chsten Stunde sein âŠâ. Und das hat mich tief getroffen, denn ich kam mir vor wie der Spielverderber, der die PlĂ€ne der Lehrerin zunichte gemacht und der ganzen Klasse das gemeinsame Erfolgserlebnis genommen hat. Und mein Kind-Ich war tief verletzt.
Heute kann ich sagen, was mir fehlte, war das Bewusstsein, dass mein Beitrag zwar richtig, aber in diesem Moment noch nicht âdranâ war. Doch kann das jemand von einem 15-JĂ€hrigen erwarten, dass er das durchschaut? Und, wenn es richtig ist, warum wird es dann so âabgestraftâ? Abgestraft fĂŒhlt sich bis heute mein Kind-Ich, mein Eltern-Ich möchte es beschĂŒtzen und mein Erwachsenen-Ich sucht gerade nach dem ârichtigenâ Umgang damit und einer ErklĂ€rung, die allen Beteiligten gerecht wird und das Kind-Ich noch im Nachhinein rettet und tröstet. Es sind Emotionen die 40 Jahre und Ă€lter sind und ich kann mich heute bewusst dafĂŒr entscheiden, diese Emotionen zu verarbeiten. Nur eins kann ich nicht, heute wie damals: planen was geschieht, weder in der Diskussion in der Schulklasse noch wie ich 40 Jahre spĂ€ter damit umgehen werde. Ich kann mir Szenarien ausmalen, was hĂ€tte anders sein können, mir bewusst machen, was fĂŒr ICHs hier miteinander interagieren oder in mir um Aufmerksamkeit ringen. Und mir wird bewusst, dass bei und trotz aller Planung das Bewusstsein nicht ausreicht um damit verantwortlich umzugehen. Wie gehe ich mit diesem Bewusstsein nun verantwortlich um?