Ich plane, also bin ich

(나는 êł„íší•œë‹€, 귞래서 나는 귞래요)

Der Spruch „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ begleitet mich schon lange und taucht immer dann in meinen Gedanken auf, wenn es mal wieder anders kommt, als ich mir gewĂŒnscht habe und ich mich frage: was ist jetzt schon wieder los? Besonders in GesprĂ€chen mit der eigenen Partnerin, Schwester oder Bruder oder einer/m langjĂ€hrigen Freund:in, wenn das GesprĂ€ch gefĂŒhlt „entgleitet“ oder ich am Ende dasitze, ein komisches GefĂŒhl im Bauch habe und mich frage: Was ging da eigentlich grad’ ab?

Heute frĂŒh beim FrĂŒhstĂŒck passiert es wieder: wir sitzen beisammen und das Handy meiner Freundin macht auf sich aufmerksam indem es eine nach der anderen ankommenden Nachricht kurz auf dem Display anzeigt — still, aber doch irgendwie störend. Das Zentrum ist weg 
 Handy umdrehen, dann sieht es niemand mehr.

Doch in mir laufen lĂ€ngst die Grauen Zellen auf Hochtouren: wie geht das nochmal, dass das Handy diese Nachrichten bekommt, ohne dass der Akku in 2 Std. leer gesaugt ist? „Polling“ (das aktive Nachfragen ob da eine Nachricht ist) ist out, „push notification“ ist in, sagt der Informatiker in mir. Und: „Der Router hat einen Port fĂŒr das Handy geöffnet, auf den der Server diese IP-Pakete senden kann. So geht das! Juhu, ich weiß es noch, ich blicke noch durch, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen 
 grins!!!“

Was ist denn nur los mit mir? Brauche ich das jetzt?

Was war eigentlich gerade noch das Thema am FrĂŒhstĂŒckstisch? WorĂŒber hatten wir eben gesprochen? Egal, ich komme jetzt nicht mehr aus dieser Nummer. Also Flucht nach vorne und thematisieren 


„Du, ich hab mich gerade gefragt, wie das eigentlich noch funktioniert mit den Nachrichten ohne dass der Akku schnell leer gesaugt wird. Dazu hab ich eine Idee und sogar eine Geschichte, warum ich diese Idee habe und was mir diese Geschichte nutzt 
“ höre ich mich gleich sagen und mein GegenĂŒber hört (noch) geduldig zu. SpĂ€testens jetzt ist mein Gremlin zur Hochform aufgelaufen und ĂŒbernimmt den Raum. Ich denke und mein Gremlin lenkt. Doch mein Gremlin ist nicht Gott!!

So rede ich nun in den (unbewusst) entstandenen (und unbewusst in Anspruch genommenen) Raum hinein und komme mir dabei auch noch klug vor, denn ich reflektiere, benenne meine Geschichte und springe auch mal auf die Meta-Ebene, indem ich noch darĂŒber rede, was es mir nutzt, all dies zu erzĂ€hlen. Wow, bin ich toll!

„STOPP!“ höre ich da plötzlich. „So geht das nicht! Ich muss mich die ganze Zeit bemĂŒhen nicht an einen Deiner ganzen Haken zu gehen. Das will ich nicht mehr!“

Huch, denke ich und werde jÀh aus meiner ErzÀhl-Laune gerissen. Langsam wird mir bewusst, was hier seit gut 10 Minuten abgeht:

   Ich habe das Zusammensitzen dazu benutzt, meine Lieblingsthemen „Bin ich noch zu etwas nutze und wie definiere ich Altwerden?“ zu beackern und mit einem lĂ€ngeren Monolog darĂŒber den entstandenen GesprĂ€chsraum beim FrĂŒhstĂŒck komplett eingenommen. Und ich hab mich dabei auch noch gut gefĂŒhlt, weil ich ja so „reflektiert“ bin. 100% Gremlin — merke ich!

Einen entstandenen Raum bewusst nutzen bzw. bewusst mit jemand zusammen Raum zu halten ist seit lĂ€ngerem ein Thema fĂŒr mich, denn das habe ich frĂŒher nie gekonnt, ja nicht einmal fĂŒr nötig gehalten. Es war viel einfacher (und auch schöner) jemanden anzurufen und von mir zu erzĂ€hlen, oder den anderen auszufragen, um dann gleich wieder auf den Zug mit aufzuspringen und zu sagen: „kenn’ ich, geht mir auch so, das hab ich vor langem auch erlebt“ und meine Erlebnisse in aller Ruhe auszubreiten. Dabei kann ich auch schnell ins Jammern kommen und merke es erst, wenn es mir selbst auf den Keks geht, denn gemeinsam Jammern macht nur bis zu einem gewissen Punkt Spaß. Dann sage ich SĂ€tze wie „ich will ja nicht nicht jammern“ oder „ich beschwere mich ja nicht, aber 
“ und bin doch schon mitten drin. Dabei fĂŒhle ich mich oft mit dem anderen „verbunden“, denn jeder bestĂ€tigt die Ansichten und das Gejammer des Anderen. Doch diese Verbundenheit hĂ€lt nicht lange an, denn nach solchen Telefonaten ist es oft so, dass ich mir leer oder ausgelaugt vorkomme und auch manchmal denke, „was hab ich da nur wieder alles erzĂ€hlt?!?“ Was bleibt, ist ein GefĂŒhl der Einsamkeit und SchwĂ€che und wirkliche Verbindung entsteht dann eigentlich nicht.

Vor vielen Jahren hat meine Schwester mir dann mal ein STOPP gesetzt indem sie sagte: „Ich habe keine Zeit mehr zum Plaudern!“ Und dann viel noch ein Satz, der einschlug wie eine Bombe:

„Jetzt komm’ endlich aus Deiner Opferrolle raus. Wir alle haben unser PĂ€ckchen zu tragen!“ Wumm — das saß und tut es bis heute!

Was mich dann noch lange beschĂ€ftigte, war die Konsequenz mit der sie ihr Stopp durchzog: es kamen kaum noch Anrufe und sie schien immer kurz angebunden. Es dauerte dann recht lange, bis ich verstand, was ihre eigentliche Botschaft hinter dem Stopp war: dass sie sich als Fußabtreter benutzt fĂŒhlte und nicht mehr bereit war, mein unbewusstes Reden zu ertragen. Es zog ihr Energie und ich labte mich daran, bzw. mein Gremlin nĂ€hrte sich davon. Eine wirkliche Verbindung entstand jedoch nicht und nach den GesprĂ€chen entstand wieder dieses unbehagliche GefĂŒhl der Einsamkeit und Trennung.

Was ich konkret Àndern sollte in den GesprÀchen war mir jedoch nicht klar. Entweder konnte es mir meine Schwester nicht sagen oder es landete nicht bei mir, wenn sie denn artikulieren konnte. Mir kam jedoch die Idee, dass ich

bewusster nach einem Raum zum Reden fragen könnte. Doch dazu war es zu spÀt, das funktionierte so nicht mehr.

Inzwischen ist mir einiges klarer geworden:

Zum Dialog gehören zwei, sonst heißt es Monolog!

Doch wie fĂŒhre ich einen Dialog? Wie schaffe ich wirkliche Verbindung und verhindere, dass nach dem GesprĂ€ch dieses GefĂŒhl der Leere entsteht?

Wie kann ich den Raum nicht nur in Anspruch nehmen, der mir geboten wird, sondern gemeinsam einen Raum halten, dem anderen Platz zum Sprechen geben und auch die Energie im Raum spĂŒren?

Wie schaffe ich es, authentisch zu sein, nicht ĂŒberheblich oder gar belehrend zu wirken und auch mich selbst nicht klein zu machen?

Vielleicht geht das, indem ich von mir rede statt Allgemeinaussagen zu machen, mich verletzlich zeige, indem ich meine GefĂŒhle benenne und auch die GefĂŒhle des GegenĂŒbers stehen lasse ohne mich klein zu machen? Vielleicht hilft es, wenn ich beobachte, wieviel Raum ich „konsumiere“ und wo ich Raum halte und gestalte, Indem ich die Energie im Raum wahrnehme, aufmerksam bin dafĂŒr, wie viel Redeanteil ich habe und keine langen VortrĂ€ge halte oder Geschichten von anderen erzĂ€hle?

Vielleicht kann ich mir von Beginn des GesprĂ€chs — oder besser noch, vor dem Beginn eines GesprĂ€chs — bewusst machen, was sind meine eigenen Absichten? Und sehe ich die Absichten meines GegenĂŒbers und lasse ich sie gelten, indem ich bei Unklarheiten nachfrage und nicht alles nach meinem GutdĂŒnken interpretiere?

Vielleicht kann ich alte Muster fallen lassen, GlaubenssĂ€tze ĂŒber Bord werfen und mich nicht mehr einfach nur treiben lassen oder von den alten Mustern und Emotionen lenken, sondern mich von diesen befreien?

All dies war damals neu fĂŒr mich und es brauchte diesen Knall, diesen Schuss vor den Bug, dass ich aufwachte und mir bewusst wurde, was es wirklich bedeutet verantwortlich zu kommunizieren und in Verbindung zu gehen. Und ich ĂŒbe mich noch heute darin.

Die Worte „unbewusst“ und „bewusst“ tauchen in diesem Text sehr oft auf und das mit Absicht, denn Bewusstwerdung und Bewusstheit sind fĂŒr mich die SchlĂŒsselworte in diesem Thema. Doch was hat das nun alles mit der Überschrift „Ich plane, also bin ich“ zu tun? Kann ich alles im Voraus bedenken, mir bewusst machen, also „planen“ und so Planung und Bewusstmachung oder Bewusstheit gleichsetzen? Oder gibt es hier einen Unterschied?

Nicht alles ist planbar und oft wird mir erst beim Reden oder Tun bewusst, was da vielleicht nicht alles so lĂ€uft wie „ich“ es beabsichtigt habe. Und manchmal ist dieses „ich“ auch kein verantwortungsvolles Erwachsenen-Ich, sondern ein unverantwortliches Eltern- oder Kind-Ich, das seine (meine?) BedĂŒrfnisse befriedigt wissen will. Und: wer lenkt denn die Geschehnisse in dem gemeinsam gehaltenen Raum? Weiß ich denn zuvor, was hinterher entstehen wird, so wie eine Lehrkraft in der Unterrichtsplanung die (Lern-)Ziele welche die Klasse in der Schulstunde erarbeiten soll festlegt und dementsprechend das Geschehen lenkt?

Ich erinnere mich an eine Doppelstunde in der Schule (und das ist nun schon mind. 40 Jahre her), in der die Klasse ein Thema diskutierte und ich mich nur zu Beginn der Stunde aktiv beteiligt habe. Dann saß ich da, beobachtete, hörte zu und machte mir so meine eigenen Gedanken. Nach ca. einer halben Stunde kam mir die Idee, dass es vielleicht um etwas anderes ging, als momentan diskutiert wurde und worauf es eigentlich hinauslief. Ich meldete mich stĂŒrmisch, konnte es kaum erwarten aufgerufen zu werden und sagte mit Stolz, was mir aufgegangen war. Die Antwort war zwar goldrichtig, trotzdem bekam ich vom Lehrer zu hören: „Das ist zwar richtig, aber da wollte ich mit der Klasse erst am Ende der nĂ€chsten Stunde sein 
“. Und das hat mich tief getroffen, denn ich kam mir vor wie der Spielverderber, der die PlĂ€ne der Lehrerin zunichte gemacht und der ganzen Klasse das gemeinsame Erfolgserlebnis genommen hat. Und mein Kind-Ich war tief verletzt.

Heute kann ich sagen, was mir fehlte, war das Bewusstsein, dass mein Beitrag zwar richtig, aber in diesem Moment noch nicht „dran“ war. Doch kann das jemand von einem 15-JĂ€hrigen erwarten, dass er das durchschaut? Und, wenn es richtig ist, warum wird es dann so „abgestraft“? Abgestraft fĂŒhlt sich bis heute mein Kind-Ich, mein Eltern-Ich möchte es beschĂŒtzen und mein Erwachsenen-Ich sucht gerade nach dem „richtigen“ Umgang damit und einer ErklĂ€rung, die allen Beteiligten gerecht wird und das Kind-Ich noch im Nachhinein rettet und tröstet. Es sind Emotionen die 40 Jahre und Ă€lter sind und ich kann mich heute bewusst dafĂŒr entscheiden, diese Emotionen zu verarbeiten. Nur eins kann ich nicht, heute wie damals: planen was geschieht, weder in der Diskussion in der Schulklasse noch wie ich 40 Jahre spĂ€ter damit umgehen werde. Ich kann mir Szenarien ausmalen, was hĂ€tte anders sein können, mir bewusst machen, was fĂŒr ICHs hier miteinander interagieren oder in mir um Aufmerksamkeit ringen. Und mir wird bewusst, dass bei und trotz aller Planung das Bewusstsein nicht ausreicht um damit verantwortlich umzugehen. Wie gehe ich mit diesem Bewusstsein nun verantwortlich um?

Bis hierher und weiter – Vorschau auf kommende Themen

Ich drehe mich im Kreis oder „hier war ich schon einmal“

„Schön, dass wir darĂŒber geredet haben, und jetzt?“

Ich komme nicht aus meinen Mustern raus!

Wertvolle Unterscheidung(en)

Die Frage nach dem WIE

Mein tÀgliches Experiment (entfÀllt heute)

Aus-Zeit oder Zeit-Aus?

Wunsch und Erwartung

Wo ich bin, ist mein Zuhause (ich bin hier, weil ich es mir so geschaffen habe)

The diffenrence between „Why?“ and „What For?“

Solarize the world!

In the moment you truly understand your enemy 
 (thoughts based on Ender’s Game)

In the moment when I truly understand my enemy, understand him well enough to defeat him, then in that very moment I also love him. I think it’s impossible to really understand somebody, what they want, what they believe, and not love them the way they love themselves. And then, in that very moment when I love them–„

„You beat them.“

Auf dem Weg zum Possibily-TĂ€ter

oder: vom unbewussten Sein und Bewusst-Sein

Du wirst Dich fragen, was ein PossibilitĂ€ter ist … das frage ich mich auch immer wieder, denn die Definition eines Begriffs ist eine Sache, das Werden, Sein und Leben eine andere. Ich möchte Dich mitnehmen auf eine Reise – meine Reise – die sicherlich vor vielen Jahrzehnten, bewusst jedoch erst vor ca. 2 Jahren begann, als ich mit dem Gedankengut des Possibility Management in BerĂŒhrung kam.

Anmerkung: Ich werde die hier verwendeten Begriffe aus dem „Possibility Management“ nicht weiter erklĂ€ren, es sei denn, es ist der Sinn eines Abschnitts, zu der Bedeutung eines Begriffs hinzufĂŒhren. Weiterhin möchte keine Allgemein-PlĂ€tzchen backen und auch nicht der ErklĂ€rbĂ€r fĂŒr Begriffe und Definitionen aus dem Possibility Management sein – das haben andere bereits getan und das soll so bleiben. Was ich hier beschreiben möchte sind meine persönlichen Erfahrungen und Bewusstwerdungsprozesse. Diese mögen fĂŒr mich zutreffen und fĂŒr jemand anderen nicht Wichtig ist, dass sie landen bei Dir, der Du dies liest und anregen zum eigenen Denken, zum Bewustwerden ĂŒber das, was in Dir ist, Dich (bisher) kalt lĂ€sst oder bereits bewegt und was Dir (bisher) fremd war oder vielleicht auch immer be-fremd-lich sein wird. Gedanken schaffen Worte, Worte werden Taten und Taten bewegen die Welt. Was möglich ist, ist wichtig, und dass es bewusst gedacht, gesagt und getan oder nicht getan wird.

Ich habe einen Glaubenssatz, der mich seit langem begleitet und der mich zu mehr oder weniger bewusstem Handeln verleitet. Handeln, welches fĂŒr mich oft nicht mit diesem Glaubenssatz in Zusammenhang stand:

Ich möchte möglichst viele Möglichkeiten haben. Das ist meine (Definition von) Freiheit und diese Freiheit ist mir wichtig.

(Einer meiner GlaubenssÀtze)

Nun wird mir bewusst, was solch ein Glaubenssatz bedeutet, oder genauer: wo er ĂŒberall wirkt und – oft unbewusst – dazwischenfunkt, hineingrĂ€tscht, mein Denken und (Nicht-)Tun beeinflusst und ich frage mich: Was tue ich hier eigentlich und was lasse ich sein?!?

Und da ist ja nicht nur dieser eine Glaubenssatz – ich habe davon viele. Einige davon sind mir bewusst, ja, ich spreche sie sogar anderen Menschen gegenĂŒber aus und habe ein GefĂŒhl der Erhabenheit, weil ich diesen Satz fĂŒr mich entdeckt habe, ihn selbst formuliert, verfeinert und verinnerlicht habe. Doch bin ich mir eigentlich bewusst, was das fĂŒr mich, fĂŒr mein Leben, fĂŒr meine Beziehungen, meinen Umgang mit anderen Menschen, Lebewesen, Dingen, meine Sicht auf die Welt bedeutet?

Es ist nicht möglich, sagten alle. Und dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach getan.

(Sprichwort)

Doch nun der Reihe nach und nicht alles auf einmal …

Es sind oft SchicksalsschlĂ€ge (wie der Verlust eines geliebten Menschen) oder besondere Momente und Entscheidungen (wie die Hochzeit und dann der Fortgang eines guten Freundes) die uns prĂ€gen und in Erinnerung bleiben. Solche Momente sind nichts ungewöhnliches (viele Menschen heiraten und sterben tun wir alle einmal) und doch haben wir oft daran zu knabbern, fĂŒhlen uns ungerecht behandelt oder vom Schicksal betrogen. Egal wie man es ausdrĂŒckt oder welche Bezeichnung ich noch wĂ€hle, diese Momente haben eines gemeinsam: ich fĂŒhle mich dabei als „Opfer“ denn „mit mir geschehen“ diese Dinge. Ich habe sie nicht gewollt, nicht veranlasst und nicht herbeigesehnt. Und dabei ist mir nicht bewusst, welche Haltung ich einnehme. Warum sehe ich mich als „Opfer“ und den anderen bzw. das Schicksal als TĂ€ter und habe den Eindruck, dass etwas mit mir geschieht und ich kein Mitspracherecht habe, nicht mit entscheiden kann, was passiert?

Genau da möchte ich ansetzen, denn was da „mit mir“ passiert wird immer wieder passieren: Geburten, Hochzeiten, TodesfĂ€lle: VerĂ€nderungen die mich betreffen oder betroffen machen, von denen ich eigentlich weiß und es doch irgendwie „nicht wahr haben“ möchte und die ich gerne herauszögere oder gar ungeschehen machen möchte. Aber warum eigentlich?

Was hindert mich zu sagen: ich wusste, dass das passiert und ich werde damit klar kommen. Oder noch weiter gedacht: Es ist doch klar, dass ich eines Tages sterben werde und (wahrscheinlich vor mir) meine Eltern. Daher werde ich lernen, damit umzugehen und mich darauf einrichten. Und noch weiter gedacht: Ich weiß, dass diese Dinge kommen, denn sie gehören zum Leben und machen das Leben lebendiger. Ich denke nicht nur darĂŒber nach, sondern rede offen darĂŒber, schreibe mir wichtiges auf und gehe aktiv damit um. Was heißt dies konkret: ich gehe bewusst um mit dem Leben und treffe Entscheidungen. Ich nehme VerĂ€nderungen nicht nur an, sondern ich gestalte sie mit. Ich erwache aus meinem Dornröschenschlaf und warte nicht lĂ€nger auf den Prinzen. Ich bin der Prinz! Ich bin der, der entscheidet, wenn die 100 Jahre vorbei sind. Ich bin bewusst und verantwortlich. Ich bestimme mein Sein und mein Handeln.

Das bedeutet nicht, dass ich nun Gott spiele und ab jetzt alles nach meiner Nase tanzt, dass ich allwissend oder allmĂ€chtig bin und mich nichts erschĂŒttern kann. Es bedeutet, dass ich aus der Haltung des Opfers herauskomme und Verantwortung fĂŒr mein Denken (und auch mein Handeln) ĂŒbernehme, dass ich bewusst (er)lebe und Schöpfer (m)einer Welt bin, so wie ich sie wahrnehme. Denn es ist meine Wahrnehmung die sich als erstes Ă€ndert und an der nur ich etwas Ă€ndern kann.

Was bewirkt diese Änderung meiner Einstellung? Sie Ă€ndert meine Wahrnehmung von der Welt und damit meine Welt. Sie Ă€ndert meine Haltung gegenĂŒber dem, was ich erlebe, was ich entscheide und was ich zu tun bereit bin (oder auch nicht bereit bin). Ich werde zum Handelnden – zum Manager meiner Möglichkeiten – also zu dem, der von den Dingen weiß und eine Ahnung bekommt, was möglich ist. Ich werde zum Möglichkeiten-Manager – engl. „Possibilitator“ (im Sprachgebrauch des Possibility-Management).

Was hier so einfach und schnell erklĂ€rt klingt ist ein langer Prozess, der irgendwann seinen Anfang nimmt: fĂŒr machen mit Ende der PubertĂ€t oder in der Midlife-Crisis, fĂŒr andere mit 50 und fĂŒr manche nie. Nur enden wird dieser Prozess nie, denn hier gilt: Der bewusste Weg ist das Ziel und wirkliches Bewusstsein lĂ€sst sich nicht zurĂŒcknehmen.

Eine immer wiederkehrende Entscheidung

Es gibt viele Lebenshelfer und Ratgeber und jeder schreibt etwas anders, liest sich mal flott und mal beschwerlich und doch sagen sie alle mehr oder weniger das gleiche:

  • Ändere Dein Leben!
  • Nimm Dein Leben in die Hand!
  • Sei Deines GlĂŒckes Schmied!
  • Lebe anders, lebe bewusst!
  • Sei kein Frosch, trau Dir etwas zu!
    … und so weiter …

Und was bedeutet das? Ändere Dein Leben kann vieles bedeuten: sei kein Opfer mehr, werde zum TĂ€ter. UnterdrĂŒcke die, die Dich zu unterdrĂŒcken versuchen. Schlage zurĂŒck, oder besser noch: schlage zuerst zu! Macht kaputt was Euch kaputt macht. Und was soll sich da graduell Ă€ndern? Ich bleibe im niederen Drama, in dem berĂŒhmten Drama-Dreieck aus Opfer, TĂ€ter und Retter (nach Dr. Karpman), wobei ich eine der 3 Rollen des Opfers, Retters/Helfers oder TĂ€ters einnehme. Dabei kann ich vom Opfer zum TĂ€ter oder zum Helfer werden (oder umgekehrt) oder auch alle Rollen nacheinander durchspielen. Wirklich Ă€ndern tut sich nichts, denn solange ich im niederen Drama verharre, beteilige ich mich am Theater das gespielt wird und bestimme vielleicht noch, welche Rolle ich spiele, werde vielleicht sogar zum Dramaturg oder Regisseur. Doch niemals Ă€ndere ich den Spielplan oder gar die Perspektive. Ich werde weder zum Zuschauer/Unbeteiligten, noch beeinflusse ich das Grundprinzip des Dramas. Ich bin und bleibe ein Teil des StĂŒcks das ich mitspiele.

Raus aus dem Niederen Drama

Doch warum sollte ich da auch heraus wollen? Und was gibt es denn noch an Alternativen? Einen Tod muss ich doch sterben und wenn schon einer leiden muss, dann doch bitte ein anderer und nicht ich … und da war doch noch was mit den Möglichkeiten: wenn ich die Möglichkeit habe, mir meine Rolle selbst auszusuchen, dann habe ich doch alle Freiheiten, oder nicht?!?

Diese Sichtweise, Du ahnst es schon, ist auch die meine gewesen. Ich fĂŒhlte mich als Opfer und habe irgendwann beschlossen, nicht mehr Opfer sein zu wollen. Also wurde ich zum Retter, denn der TĂ€ter wollte ich nicht sein. Ich entschied mich dafĂŒr, mich fĂŒr andere einzusetzen (und das schon ganz frĂŒh, in meiner Jugend als wir in der Schule um Rechte und Anerkennung unseres Abiturs in ganz Deutschland demonstrierten oder in der SĂŒdafrika-Aktionsgruppe um gegen Apartheid und UnterdrĂŒckung zu kĂ€mpfen oder bei Greenpeace, in der Anti-Atomkraft-Bewegung, als aktiver Pazifist bei den Anti-Golfkriegs-Demos und so weiter) und tat das auch. Doch meine Einstellung war immer die gleiche: hier ist das Opfer (wenn nicht ich, dann die unterdrĂŒckten „Schwarzen“, die Natur, die Kriegsopfer, die …) und ich bin der Retter um gegen die bösen TĂ€ter etwas zu unternehmen. Und sie ist es noch immer, zumindest teilweise, denn was ich 45 Jahre lang gelebt habe, das lege ich nicht wie einen Schlafanzug eines schönen Morgens zur Seite und bin von jetzt an ein neuer Mensch.

Doch etwas hat sich geĂ€ndert: meine Sicht auf diese Dinge. Nicht, dass ich die oben angesprochenen Themen wie die Ungleichheit bei SchulabschlĂŒssen, die Apartheid im sĂŒdlichen Afrika oder die um Öl und in Zukunft um Wasser gefĂŒhrten Kriege anders bewerte. Nein! Ich sehe mich nicht mehr als Opfer, denn ich habe Möglichkeiten. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten (das Wort „alternativlos“ wird in meinem Sprachgebrauch hoffentlich keinen Platz bekommen, außer in seiner Widerlegung).

Go!

Mit Corona durchs Digi-Tal

EindrĂŒcke von einer Reise vom Informations-Gebirge in den Daten-Dschungel

Alle reden vom Home-Office, jeder will mobil arbeiten und den Unterschied von beidem kennen die wenigsten – egal. Der KĂŒchentisch wird zum Ersatz-BĂŒro, der Hobbykeller zur Schreibwerkstatt und das leerstehende Kinderzimmer zum Konferenzraum umfunktioniert. WĂ€re doch gelacht, wenn das nicht möglich sein sollte. Bin ich jetzt wirklich im Home-Office angelangt, oder wie fĂŒhlt es sich wirklich an? Dem will ich hier auf den Grund gehen.

FrĂŒher bin ich oft zur Arbeit geradelt oder, wenn es mal richtig fieses Wetter war, mit dem Bus oder dem Auto gefahren. Naja, meist mit dem Auto. Das war zwar oft auf den letzten DrĂŒcker, aber es ging raus … durch die HaustĂŒre und hinunter auf die Straße, hinein in den Blechwahnsinn auf 4 RĂ€dern. Radio an und schon wusste ich wie ich heute drauf bin: gut gelaunt genieße ich jede Musik die mir entgegenbrĂŒllt, doch bei schlechter Stimmung suche ich gleich einen anderen Sender und vertreibe mir die Gedanken mit den Nachrichten aus anderen LĂ€ndern: 43 Tote bei GrubenunglĂŒck in Indien und die Ukranine ist auch nicht mehr sicher. Da freue ich mich doch gleich viel mehr ĂŒber meine stupide Arbeit, den impulsiven Chef und vergesse gerne, dass ich seit Tagen, ach was, seit Wochen mit einer wichtigen Aufgabe kein StĂŒck weiter gekommen bin. Immerhin: der Kaffe aus dem neuen Vollautomaten ist Spitze und die Decke des neuen FirmengebĂ€udes wird sicherlich nicht einstĂŒrzen – im Gegensatz zu den Bergwerksstollen der unterbezahlten und ausgebeuteten Grubenkumpels im Hindukusch – ach ne, da hocken ja die Bundeswehrsoldaten und haben Angst, dass ihnen jederzeit eine Bombe der Taliban um die Ohren fliegen kann. Mensch, da hab ich es doch super hier!

Nun, das war einmal. Inzwischen genĂŒgt es, um 7:30 Uhr aus dem Bett zu fallen, im Halbschlaf den Kaffee aufzusetzen – wo war nochmal die Taste fĂŒr den CafĂ© CrĂ©ma? Ach, das war ja in der Firma – und dann kurz kalt durch’s Gesicht waschen, bĂŒrsten und ein halbwegs ordentliches Hemd anziehen. Im Video-Meeting sieht niemand, dass ich noch in meiner Jogginghose herumlaufe und zwei verschiedene Socken trage. Nun noch schnell das Ach-was-bin-ich-doch-froh-im-Home-Office-arbeiten-zu-dĂŒrfen-Gesicht aufsetzen und hinein ins erste Meeting des Tages … was, wie, niemand da? Ach so, heute ist ja Samstag. Das habe ich schon ganz vergessen. Denn seit Corono ist ein Tag fast wie der andere und bei den Ausgangs-BeschrĂ€nkungen brauche ich mir fĂŒr das Wochenende eh nichts mehr vorzunehmen auf das ich mich freuen könnte. Schöne Neue Welt!