30 Jahre habe ich in und um Ulm herum gewohnt.
„30 Jahre — ein halbes Erwachsenenleben“ sagte mir ein Freund und damit hat er Recht. Zeit, etwas Neues zu wagen.
30 Jahre – zu lange, um wirklich Abschied nehmen zu können und alles hinter sich zu lassen? Nein, denn ich bin (noch) voller Tatendrang und breche auf zu neuen Ufern.
– Ich lasse zurĂĽck, das Zuhause in dem die Kinder groĂź geworden, doch nicht die Beziehung zu ihnen.
– Ich ziehe fort von den Freunden, die mir ans Herz gewachsen sind, und wahre Freunde verliert man nie.
– Ich verlasse die StraĂźen, die Plätze, Märkte und Feste, die mir ans Herz gewachsen sind und finde dafĂĽr neue, schöne und entdeckungswĂĽrdige, verschlagene Winkel und auch „lost places“.
– Ich schlendere nicht mehr ĂĽber die Wiesen, durch die gleichen Wälder und auch die Donau wird mir fehlen, doch die Elbe, das Erzgebirge und Städte wie Dresden und Leipzig haben auch viel zu bieten.
– Ich werde definitiv den Blick auf die Alpen bei Föhn vermissen. Das wird mir wahrlich fehlen !!!
Und je tiefer ich die Orte und Menschen verinnerlicht habe, desto leichter kann ich gehen, denn ich nehme vieles davon mit, denn ich trage es in mir und sie sind ein Teil von mir und meinem Leben.
Zeit also, noch einmal woanders anzufangen, um mich noch einmal an einem anderen Ort neu einzuleben, neue Freunde zu finden und Orte, an denen ich gerne bin, neue Feste zu feiern und neuen Menschen zu begegnen. Und nicht zuletzt, um neuen Aufgaben entgegen zu sehen und sie in Angriff zu nehmen.
… und ein neues beginnt
Nach einer 2 Monate währenden Reise in meinem umgebauten Auto (nun kann ich darin jederzeit bequem schlafen) durch Deutschland bin ich nun in Sachsen angekommen, Freiberg genauer gesagt.
AUS-Zeit, kein Sabbatical, denn ich gehe und kehre nicht mehr an den alten Arbeitsplatz zurĂĽck
Um eine wirkliche Auszeit zu haben, habe ich keine von meinem ehemaligen Arbeitgeber abgesegnete (und befristete) Auszeit gewählt. Das hätte nämlich bedeutet, dass ich mich auf 3 oder 6 oder 12 Monate hätte beschränken müssen, immer den Druck im Rücken und den Gedanken: das hier ist kostbar, denn das geht bald vorbei.
Eine Auszeit, in der ich ständig vor Augen habe, in X Tagen wieder am gleichen Schreibtisch sitzen zu mĂĽssen ist keine Auszeit. Eine Auszeit fängt mit einem „Aus“ an und dann habe ich Zeit … viel Zeit. Das nenne ich eine Aus-Zeit!
Und diese Auszeit hat mich durch halb Europa gefĂĽhrt:
- mit dem Motorrad durch Kroatien, Slowenien, vom Großglockner bis nach Triest in einem Tag oder 1 Woche an der Algarve, nach Split und Zagreb oder den Wasserfällen in Krka
- mit dem Auto zu zweit nach Portugal (während der Pandemie), was nur ging, weil wir im Auto schliefen und kaum Kontakt zu anderen Menschen hatten, im Wald oder am Fluss übernachteten und Ballungszentren konsequent gemieden haben
- mit dem Motorrad durch die Vogesen, die Auvergne und SĂĽdwestfrankreich bis nach Carcassonne, weiter nach Andorra und Barcelona, auf dem RĂĽckweg durch das franz. Jura
- zu FuĂź durch die Eifel
- mit dem Rad die Donau entlang
- nach Wien und Prag, durch den Bayerischen Wald und vieles mehr …
und es sind noch viele Ziele auf der langen Liste, SĂĽdostasien, SĂĽdafrika oder den gesamten amerikanischen Kontinent … die Zeit dafĂĽr wird kommen 🙂
Und wie geht es weiter?
Inzwischen bin ich umgezogen … knapp 500km von Neu-Ulm/Ulm entfernt nach Sachsen.
Ich arbeite in einer Bürgerenergie-Genossenschaft mit, engagiere mich im Klimaschutz und berate Freunde und Familie zum Thema erneuerbare Energien, arbeite in einem Reparatur-Café mit, bringe mich in verschiedenen Gruppen ein, lerne Land und Leute kennen und baue mir ein neues Zuhause auf.
Und nach gut 2 Jahren am neuen Ort kann ich nun behaupten: ich bin angekommen.
(Aktualisiert am 15.12.2025)
